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Spechtsbrunn °C
  10.12.2018 Ferienhaus Ostsee
In des Rennsteig`s Fichtenschatten, zwischen grünen Wiesenmatten, ruhet einsam ein Juwel ..., so beginnt ein längeres Gedicht, welches ein Sonneberger Heimatfreund am 10. Juni 1938 in das Gästebuch des Berggasthofes "Brand" schrieb.

Fünfzig Jahre zuvor hatte August Trinius während seiner Rennsteigwanderung die Griffelmacher auf dem Brand besucht und seine Erlebnisse niedergeschrieben. Durch seine feinsinnigen Schilderungen veranschaulicht er den Arbeitstag in den kleinen Hütten.

Etwa zwanzig Griffelmacherhütten standen um die Jahrhundertwende auf dem Brand. Es gab bereits die riesigen Abraumhalden aus schwarzblauem Schiefergestein, denn nur 10 % des gebrochenen Materials eignete sich für die Griffelherstellung. Trotz aller Not muss es ein malerisches Bild gewesen sein. Trinius bemerkte auch die vielen Vogelkäfige an den niedrigen Hütten, " in denen buntfarbene Kreuzschnäbel im Sonnenlichte zwitscherten, ahnungslos, dass vielleicht nur noch einige Tage sie von der Bratpfanne der armen Griffelmacher trennten ".

Kurz nach der Jahrhundertwende kam der Sachsen-Meiningische Staat den Forderungen der Griffelmacher nach und errichtete zwischen Steinach und Spechtsbrunn fünf Griffelwerke, die im Gegensatz zu den primitiven Holzhütten als "Großhütten" bezeichnet wurden.
Im Jahre 1902 entstand die Großhütte auf dem Fellberg, 1903 die Großhütte Steinbächlein, 1904 die Großhütte auf dem Tierberg, 1905 auf dem Brand und 1906 im Langebach bei Hasenthal.
Die Stromversorgung erfolgte durch die Kraftwerkszentrale der Herzoglichen Griffelbrüche in Obersteinach. Zu diesen fünf staatlichen Griffelwerken kam 1923 eine private Großhütte hinzu, welche die Firma Mohr und Loehrs auf dem Pechgraben bei Haselbach errichtete.

1928/29 gab es in den Großhütten mit den jeweiligen Schieferbrüchen nachfolgende Anzahl von Beschäftigten. Fellberg 80 Arbeiter Steinbächlein 64 Arbeiter Tierberg 47 Arbeiter Pechgraben 46 Arbeiter Langebach 45 Arbeiter Brand 21 Arbeiter.

Auf dem "Brand" fand man ein feinspaltendes Schiefergestein für Schieferminen von 2 bis 3 mm Durchmesser. Dieses Material eignete sich vorzüglich für die Herstellung der sogenannten Holzgriffel, die mittels in der Bleistiftindustrie üblichen Maschinen produziert wurden. Obwohl der Brand von allen Großhütten verkehrstechnisch am günstigsten lag, kam die Produktion schon 1930 zum Erliegen.

In einem Nebengebäude entstand eine Jugendherberge, und der Zweigverein Naumburg des Thüringerwaldvereins richtete die "Naumburger Stube" ein. Dieses Zimmer war getäfelt und mit geschnitzten Möbeln ausgestattet .
Beim "Wächter auf dem Brand" gab es für Rennsteigwanderer stets Flaschenbier und einen Imbiß. 1936 verpachtete das Land Thüringen die Gebäude an Paul und Margarete Danz. Frau Danz erinnert sich gerne an die arbeitsreichen, aber schönen Jahre auf dem Brand. Sie fand große Unterstützung beim Ministerialdirigenten Müller von der Thüringer Landesregierung in Weimar.

Bald herrschte ein reges Treiben auf dem Brand. Für viele Gäste sind die zahlreichen Tanzveranstaltungen, Winzerfeste, Silvesterfeiern und Kostümfeste unvergessen. Margarete Danz hat das Gästebuch aufbewahrt und Tagebuch geführt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der Einberufung ihres Mannes zur Wehrmacht, war es für sie nicht einfach, die Gaststätte zu betreiben und ihre drei kleinen Kinder zu versorgen.
Ganz schlimm waren die schneereichen Winter, wie wir sie heute gar nicht mehr kennen. Am 14. Oktober 1941 fiel ein halber Meter Schnee, und wenige Wochen später war die Gaststätte Brand völlig in den Schneemassen versunken. Die Schneedecke soll über zwei Meter hoch gewesen sein. Zahlreiche Häuser in Spechtsbrunn konnten nur durch die Dachfenster verlassen werden. Frau Danz war mit ihren Kindern 8 Tage lang ohne Strom und ohne Leitungswasser eingeschlossen.

Im Sommer 1942 brachte der Steinacher Oberförster Rösch 25 sowjetische Kriegsgefangene auf den Brand, die verköstigt werden mussten. Nur mit Hilfe eines Landjahrmädels konnte die viele Arbeit bewältigt werden.
Nachdem ihr Mann 1943 an der Ostfront gefallen war, zog Frau Danz nach Hasenthal. Fast täglich ist sie aber auf den Brand gelaufen, um nach ihrer Habe zu sehen.

1944 errichtete die Geheime Staatspolizei, einer der wichtigsten Überwachungs- und Verfolgungsapparate des NS-Regimes, auf dem Brand eine Gestapo-Leitstelle. Der Brand erhielt erst jetzt, im letzten Kriegsjahr, Telefon- und Stromanschluss. Kurz vor dem Einmarsch der US-Amerikaner verschwanden die Gestapo-Leute. Sie ließen eine wertvolle Bibliothek zurück, die von den Einwohnern der umliegenden Orte geplündert wurde. Es mögen wohl 6 bis 10 000 Bücher gewesen sein. Nachgewiesen werden konnten Bände aus der Jüdischen Zentralbibliothek Berlin, des Dietz-Verlages Wien und der Litauischen Staatsbibliothek.

Nach dem Krieg war der Brand wieder Gaststätte und in den 50er Jahren entstand hier, wie in allen anderen Großhütten, ein Kinderferienlager und Betriebsferienheim.

1973 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit den Brand. Das Gelände wurde eingezäunt und 1975 wurden acht Finnhütten errichtet.

Seit der Grenzöffnung im November 1989 und der ersten grenzüberschreitenden Rennsteigwanderung am 28.04.1990 ist der Brand wieder ein Ausflugsziel für Wanderer und Urlauber. Zu jeder Jahreszeit erlebt man hier eine unvergleichliche Landschaft, wie aus dem Bilderbuch.

Autor: Wolfgang Wiegand

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